Choridee
Ich versuche stets die vielen musikalischen Einflüsse, die mich mein ganzes Leben begleitet haben, in meine Arbeit als Chorleiter einzubinden. Da war der sehr frühe Kontakt mit klassischer Musik in meinem Elternhaus – ich bin mit Mahler, Bruckner, Beethoven, Mozart, ... aufgewachsen – weiters die Beschäftigung mit Popularmusik in Form von Jazz, Blues und Hard Rock ungefähr ab Dreizehn und das Singen in verschiedenen Chören seit meinem sechsten Lebensjahr. Gerade diese Erfahrung, dass aus einzelnen gesungenen Melodien unglaubliche Klangbauten entstehen können, war sehr prägend für meine spätere Entwicklung.
Musik war für mich in dieser eher eine Form der Erholung, der Entspannung. Ich hatte auch keine ehrgeizigen Ziele, ich wollte einfach nur spielen und singen.
Wie schon oben erwähnt kam ich dabei mit sehr vielen verschiedenen Stilen in Kontakt und dadurch auch mit sehr verschiedenen Menschen. Ein sehr wichtiger Mensch in meinem musikalischen Leben war Prof. Walter Sengstschmied, der in Wiener Neustadt den Jugendchor „Cantus Novus“ leitete und mir ein erstes tiefer gehendes Verständnis für Chormusik ermöglichte.
Ausschlaggebend für meine Entscheidung Musik zu studieren und mich auf das Gebiet Chorleitung zu spezialisieren war allerdings die „Jugendsingwoche Großrußbach“, wo ich zum ersten Mal in meinem Leben mit großen Werken und jungen, motivierten und motivierenden Chorleitern in Kontakt kam – Gottfried Mandelburger und Heinz Ferlesch waren die wichtigsten.
Schon im Zuge meiner ersten Singwoche fasste ich den festen Entschluss, Musik studieren zu wollen – dort war sozusagen der Anfang.
Natürlich fließt auch meine pädagogische Ausbildung und Tätigkeit stark in meine Arbeit ein. Man hat eine große Verantwortung den Menschen gegenüber, mit denen man arbeitet und muss sich den Respekt unter anderem dadurch verdienen, dass man nie mehr von Sängern verlangt, als man selbst bereit wäre zu geben und immer alle Entscheidungen und Arbeitsanweisungen in den Dienst der Musik stellt – und manchmal Fehler tolerieren können muss, weil sie eben ein notwendiger und wichtiger Teil des Lernprozesses sind. Es gibt immer eine „richtige“ weil fehlerfreie Version eines Stückes, ich stelle mir aber die Frage, ob der eine oder andere Fehler nicht dann unerheblich wird, wenn dafür die textliche und emotionale Grundaussage des Stückes von allen SängerInnen mitgetragen und dem Publikum präsentiert wird. Diese Art an Stücke heranzugehen ist für manche SängerInnen anfangs ungewohnt und kann sogar Ablehnung hervorrufen, da es verlangt, vieles von sich preiszugeben, ist aber notwendig, da man sonst Gefahr läuft, nur mehr auf die äußere Form von Musik zu schauen und den Inhalt zu vergessen. So wird die Beschäftigung mit Musik auch eine Beschäftigung mit sich selbst.